#27: Eine Nahrungsmittelintoleranz kommt selten allein – Gluten & Zöliakie

Eine Nahrungsmittelintoleranz kommt selten allein.

Gluten: Zöliakie, Gluten-sensitivität & Weizenallergie

 

Hi, willkommen bei Biochemie mit Bianca! Nach der Lactose- und Fructoseintoleranz schreiten wir heute zu der dritten großen Intoleranz: Gluten! Das böse Klebereiweiß in Brot und bestimmten Getreideprodukten. Der Markt für gluten-freie Produkte boomt. Ist das berechtigt, oder alles nur Marketing?

 

Bevor wir uns den dunklen Seiten des Glutens widmen, hören wir uns mal an, warum Gluten überhaupt in Lebensmitteln ist. Was hat es für einen Nutzen?

GlUten, oder GlutEn wie viele auch sagen, ist in manchen Getreidesorten und somit auch in Mehl enthalten. Es ist eine Eiweißmischung die was ganz Tolles kann. Wenn es mit Wasser gemischt wird, verklebt es und kann sich dehnen. 1 Gluten ist der Grund, warum Brot aufgeht. Also nicht nur als flache Flade am Tisch pickt, sondern ein flaumiges und luftiges Brot ausmacht. Warum? Na, weil es sich dehnen kann. 2

Um ein gutes Brot zu backen, braucht es neben einem Bäcker nur Mehl, Wasser, Salz, Hefe und Zeit. Die Hefe knabbert dann das Mehl an und produziert dabei ein Gas: CO2. Das Gluten im Mehl lässt das Gas aber nicht entweichen, sondern es dehnt sich immer weiter und weiter. Somit kommts‘ dann zu den großen und kleinen Luftblasen im Brot. 3,4

Für die Lebensmitteltechnologie ist diese Dehnbarkeit sehr wichtig. Es gibt sogar eigene Geräte die testen wie sehr man das Mehl-Wasser-Gemisch dehnen kann, bis es reißt. 5 Eine Minifolterbank für Mehl.

In meiner Zeit als Praktikantin hatte ich mal eine ähnliche Aufgabe. Nur war es nicht Mehl dehnen, sondern Kuchen quetschen. Ich habe das Protein vom Ei mit einem pflanzlichen Protein ersetzt und gaaanz viele Kuchen gebacken.  Und dann musste dieser Kuchen getestet werden. Eine wichtige Eigenschaft war, dass er im Mund sich nicht matschig und klebrig anfühlt. Anders gesagt: er sollte fluffig sein und schnell zurückbouncen. Und diese Bouncität wurde mit einem eigenen Gerät getestet, in dem der Kuchen gequetscht und anschließend gemessen wurde, wie schnell er zurückbounct. Ein weiterer Test, war übrigens die Sensorik. Also wie er riecht, schmeckt etc. Manchmal bedeutet Wissenschaft auch, dass man ganz viel Kuchen essen muss. In den Shownotes findest du ein Foto von dem Bounce-gerät und von einer Kuchenverkostung.

 

 

 

 

 

So, wir verabschieden uns von bouncigem Kuchen und widmen uns wieder dem gluten-haltigen Brot.

Weizen ist einer der am längsten und weit verbreitest kultivierte Pflanze. Nicht nur das. Weizen hat sogar eine vielfache Anzahl an Genen im Vergleich zum Menschen. Wer weiß, vielleicht leben wir ja in einer Welt, die eigentlich dem Weizen gehört. Noch lange vorm Menschen gab es wilde Partys am Weizenfeld und ganz viele Gene haben sich vermischt. 6,7,8 Aber auch der Mensch selbst versucht den Weizen immer nützlicher für sich zu machen. Und da luftige und fluffige Brote erwünscht sind, wurden immer höhere Glutenanteile in das Getreide reingezüchtet.9

Allerdings scheinen die steigenden Probleme mit Gluten nicht von Gluten-strotzenden Getreiden zu kommen, sondern weil wir an sich viel mehr gluten-haltige Lebensmittel essen. 10 Gluten ist nicht nur im Brot enthalten. Weil es eben so toll kleben und sich dehnen kann, wird es in vielen Fertigprodukten, zum Beispiel in Saucen eingesetzt um eine bestimmte Textur zu erzielen. 11

Gluten ist von Natur aus enthalten in Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste.

Hafer ist immer so ein Streitpunkt. Da ist zwar auch Gluten enthalten, aber es reagieren nicht alle auf Hafer.

Das Klebereiweiß ist nicht nur in den rohen Getreideähren, sondern auch auf unserem Speiseteller. Und es kann sich gut verstecken. Brot, Pasta, Kipferl, Bretzeln, Salzstangerl, Pancakes, Waffeln, Croutons und sogar Bier. Außerdem muss man bei Pommes, Schnitzel, Fertigsaucen, Cremesuppen (wenn Mehl als Verdickungsmittel hinzugefügt wurde) aufpassen, wenn man Gluten schlecht verträgt. 12,13

Uff… Wie schaut denn ein Frühstück ohne Kipferl aus? Was wäre ein Sonntag bei der Oma ohne Schnitzerl und Bier? Ja Gluten ist in einer Reihe voller Dinge enthalten. Aber nicht verzagen, es gibt eine weitere Reihe mit Lebensmittel ohne Gluten:

Da wären sämtliche Gemüse und Obstsorten, Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Hülsenfrüchte. Also Linsen und Bohnen. Und auch gluten-freies Getreide gibt es zahlreich: Mais, Reis und Erdäpfel. Es gibt noch mehr! Einiges ist in unseren Breitengraden nicht so verbreitet, aber das soll dich nicht abhalten, mal paar Rezepte damit auszuprobieren: Quinoa, Soja, Hirse, Amaranth, Chia, Maniok, Buchweizen und mehr. 14

Auch in dieser Episode findest du am Ende der Shownotes wieder paar Apps, die dir helfen durch den Ernährungsdschungel zu navigieren.

 

So, nun haben wir einiges über Getreide, Klebrigkeit und Gluten gehört. Aber warum sollte das alles schlecht sein?

 

Viele Menschen berichten, dass es ihnen und ihrer Verdauung besser geht, wenn sie kein Gluten zu sich nehmen.

Das Wort Zöliakie ist dir schon mal untergekommen. Und mit Zöliakie ist nicht zu spaßen. Was da genau passiert, erklär ich gleich.

Aber wenn man Personen auf Zöliakie testet, dann haben viele gar keine Zöliakie. Trotzdem geht es ihnen ohne Gluten besser. Neben der Zöliakie muss man unterscheiden zwischen Gluten Sensitivität und einer Weizenallergie. 15

 

Starten wir mal mit der Zöliakie:

Das Risiko der Zöliakie steckt in ca. 30 % der kaukasischen Bevölkerung.16 Das nennt man eine genetische Prädisposition. Also in den Genen steckt die Info, dass Zöliakie ausbrechen könnte. Aber nicht alle Gene werden immer ausgeführt. Ich vergleiche Gene und unsere DNA mit einem Rezeptbuch. Es werden ja nicht zwingend alle Rezepte auch gekocht. So ein Rezept kann aber gekocht werden, also die Gene aktiviert, wenn zum Beispiel ein Trauma oder viel Stress auftritt, aber auch durch eine Infektion.

Die Prädisposition für Zöliakie tragen mehr in sich, als bei denen es ausbricht. „Nur“ 0,5- 1% bekommt dann auch Zöliakie. Ob und wie stark man Zöliakie hat, hängt also von paar internen Faktoren, wie auch externen Faktoren ab. Wenn du früh abgestillt wurdest, deine Eltern eine ausgeprägte Zöliakie haben, oder du selber bereits eine andere autoimmun-Krankheit oder Diabetes hast, ist die Chance größer, selbst ebenso zu den Betroffenen zu zählen. 17,18 Einige Studien zeigen, dass das Risiko steigt, wenn Säuglinge in ihren ersten drei Monaten gluten-haltige Speisen essen. 19,20

 

Bevor wir in den Darm hineinschauen, um zu sehen, was da bei Zöliakie passiert, reden wir, wie man Zöliakie von außen erkennen kann. Die typischen Symptome sind Durchfall, Fettstuhl und Gewichtsverlust, weil der Darm wenig von dem Essen, das durchrutscht, überhaupt aufnehmen kann. Und obwohl hier der Darm unser Patient ist, zeigen ca. 50% der Betroffenen atypische Symptome. Also Symptome die auf den ersten Blick nichts mit dem Darm zu tun haben: Da wäre zum Beispiel: Anämie, also Blutarmut, Osteoporosis, ein bestimmter Hautauschlag: (dermatitis herpetiformis), oder sogar Infertilität. 21 Diese Vielzahl an Symptomen macht eine Diagnose natürlich nicht einfacher. Die Symptome sind so variabel, da jeder Mensch andere Sachen isst, andere Gene hat und die Darmschleimhaut mal mehr, mal weniger mitgenommen ist. Auch das Alter und das Geschlecht spielen eine wichtige Rolle. Frauen sind 2-3x häufiger Betroffen. Und das meistens sogar mit heftigerem Verlauf. 22,23,24

 

Unser Darm ist das Wartezimmer der Nahrung. Damit unsere Pasta, Schnitzel oder Kuchen tatsächlich verdaut werden können, müssen sie nicht nur gut gekaut werden, sondern im Darm in kleinsten Bausteine runtergebrochen werden. Erst dann können die Essensteilchen durch die Wartezimmertüren im Darm durchtreten und gelangen dank dem Blut zur Leber.

 

Was passiert aber, wenn Gluten in den Darm von  Zöliakie-patienten gelangt?

Gluten gurkt dort vor sich hin, als plötzlich Zellen des Immunsystems (HLA-DQ2- and HLA-DQ8-positive antigen presenting cells) auftauchen.

Wenn ein fremder Eindringling in den Körper gelangt, dann schnappen sich bestimmte Zellen des Immunsystems diesen, zeigen es anderen Zellen des Immunsystems und erzählen es weiter. Das Immunsystem ist eine Tratschen. Daraufhin fährt das Immunsystem seine Artillerie hoch und bekämpft den Fremdkörper. Gluten wäre eigentlich Freund, statt Feind. Genauer: Essen! Das Immunsystem bei Zöliakie erkennt das Essen aber nicht, sondern behandelt es wie einen Feind. Wenn so ein kleiner Kampf vor sich geht, dann spricht man von einer Entzündung.

Das geht leider nach hinten los – im wahrsten Sinne – , denn das Immunsystem bekämpft nicht nur dieses Gluten-teilchen, sondern beschädigt durch diese chronische Entzündung auch die Dünndarmschleimhaut. Aus diesem Grund spricht man bei Zöliakie auch von einer Autoimmunkrankheit. Das Immunsystem richtet sich gegen einen selber.

Wie vorher erwähnt, ist der Dünndarm das Wartezimmer des Darms. Essensteilchen können durch die Wartezimmertüren aufgenommen und ins Blut abgegeben werden. Wenn dieses Wartezimmer aber ständig entzündet ist, nimmt es ernste Schäden. Wenn Wartezimmertüren in Trümmern liegen, können sie auch keine anderen Essensteilchen mehr aufnehmen. Also auch Essensteilchen die vollkommen unabhängig sind von Gluten. Aus diesem Grund ist ein Symptom von Zöliakie Gewichtsverlust. Denn das Essen, was beim Mund reinkommt, kann einfach nicht aufgenommen werden! 18,25,26,27

 

Nicht nur werden die Wartezimmertüren beschädigt, sondern auch die Wand des Wartezimmers. Der Darm ist unter anderem so wichtig für uns, weil er die Essensteilchen die der Körper braucht, ganz gezielt aufnimmt. Alles andere rutscht durch und wird wieder ausgeschieden. Bei der Zöliakie machen bestimmte Moleküle des Immunsystems aber kleine Löcher in die innerste Schicht (Epithelium) des Wartezimmers– in die Dünndarmschleimhaut und erhöht damit die Durchlässigkeit. 28 Wenn diese innerste Schicht durchlässig wird, können Glutenbestandteile mal da durchschwimmen und treffen auf die nächste Schicht. Der gefällt das gar nicht und ruft das Immunsystem erneut zu sich, welche die Dünndarmschicht noch mehr beschädigt. 18

 

Also ich fasse kurz zusammen: Wenn Zöliakie – Betroffene Gluten essen, erkennt deren Immunsystem dieses fälschlicherweise als Fremdkörper und versucht es zu bekämpfen. Bei diesem Kampf wird die Dünndarmschleimhaut – das Wartezimmer –  aufgrund einer chronischen Entzündung beschädigt. Außerdem bohrt das eigene Immunsystem kleine Löcher in die innerste Schicht des Dünndarms. Gluten-teilchen haben dann Kontakt zu der nächsten Schicht, was wiederum eine doofe Reaktion des Immunsystems hervorruft. Wenn das Wartezimmer- unser Dünndarm stark beschädigt ist, kann er seiner Aufgabe: Essen aufnehmen, nicht mehr nachgehen.

Das Immunsystem besteht einerseits aus vielen und auch verschiedenen Zellen. Diese arbeiten zusammenarbeiten in dem sie sich gegenseitig Eindringlinge präsentieren, kleine Botschafter haben, die zwischen ihnen rumschwimmen und dann den vermeintlichen Eindringling bekämpfen. Da dieses System so komplex ist, ist auch der Verlauf einer Zöliakie bei jeder Person bissl anders.

 

Die Diagnose. Bauchweh, Durchfall, Gewichtsverlust. Allein mit diesen Symptomen kann man noch nicht sagen, ob die Betroffenen Zöliakie haben. Um sicher zu gehen, dass es sich nicht um eine andere Unstimmigkeit im Bauch handelt, kann die Diagnose dreiteilig gestaltet werden.

Schritt eins: Blutabnahme und checken, ob bestimmte Moleküle drin sind, die auftauchen, wenn das Immunsystem das Gluten und den eigenen Darm angreifen (tTG, EMA, deamidated gliadin IgA). 29–31

Die Blutabnahme ist schon mal ein sehr wichtiger Schritt. Da diese Werte aber auch bei anderen Darmkrankheiten  auftauchen können, benötigt man einen weiteren Punkt, um Zöliakie sicher zu stellen. 32,33

Schritt zwei: Biopsie des Dünndarms. Das bedeutet, eine kleine Kamerasonde wird über den Mund, Speisröhre, Magen bis in den Dünndarm geschoben und knipst sich dort ein bissl vom Dünndarmgewebe ab. 30,18 Diese Kamerasonde ist wie ein kleines U-boot, dass abtaucht und mit seinen Schätzen wieder auftaucht. Also Schätze ist relativ. Denn wenn rauskommt, dass der Darm schon so angegriffen ist, dass sich die kleinen Darmzotten – also die Wartezimmertüren – zurückgebildet haben, ist die Freude wohl nicht so groß. Zumindest weiß man dann, woran man ist.

Schritt drei: Gentest. Dieser ist nicht zwingend, aber wenn man möchte, kann man sich ganz ganz sicher sein. Zu Beginn haben wir gehört, dass ca. 30% der kaukasischen Bevölkerung die genetische Prädisposition für Zöliakie in sich tragen. Das bedeutet, sie haben bestimmte Gene in sich, die Zöliakie ausbrechen lassen könnten. Wenn man diese Gene und dazu noch die Blutwerte und Biopsie hat, dann gibt’s nur eins: kein Gluten mehr am Speiseplan. 18,34,35,23

Aktuell ist eine glutenfreie Ernähung die einzige Möglichkeit die Zöliakie in den Griff zu bekommen. Ein „Ausheilen“ ist mit einer kurzen Essens-karenz nicht möglich. Allerdings kann sich der Dünndarm in der Abwesenheit von Gluten erholen und somit seine Arbeit, genauer: andere Essensteilchen wieder aufnehmen.

Es gibt mittlerweile Ansätze und Versuche, damit die Betroffenen doch gluten-haltige Lebensmittel essen können. Zb. kann man die Speisen mit einem Enzym behandeln, so dass der doofe Teil im Gluten bearbeitet und unschädlich gemacht wird. Blöderweise müsste man das Essen 3 Stunden mit diesem Enzym inkubieren, bevor man es essen kann. 36 Diese und weitere Ansätze zeigen, dass noch viel geforscht wird. Aber zur Zeit ist noch immer die beste Strategie: Finger weg von Gluten. 37

 

So, nun wissen wir, dass Zöliakie in 0,5-1.0% der kaukaschischen Bevölkerung ausbricht. Aber sind es wirklich diese relativ kleine Menschenmenge die den Markt für gluten-freie Nahrung so boomen lässt?

Zu Beginn dieser Episode hast du gehört, dass neben der Zöliakie auch die Weizenallergie und die Glutensensitivität eine große Rolle spielen.

Ich halte das jetzt kurz und knapp:

 

Die Weizenallergie:

Die Allergie und Zöliakie haben eines gemeinsam: Das Immunsystem reagiert über, bzw. bewertet das körperfremde Teilchen falsch. Es sieht einen Brot-brösel nicht als Essen, sondern als Eindringling. Das menschliche Immunsystem ist sehr komplex und kann auf verschiedene Arten reagieren. Bei der Allergie (IgE) und Zöliakie (IgA)  reagiert es mit voneinander verschiedenen Molekülen. Bei der Zöliakie haben wir vorhin gehört, kommt es schweren Schäden des Dünndarms, wie auch Durchfall und Fettstühlen. Eine Allergie äußert sich viel mehr durch eine rinnende Nase, Erbrechen und Atemprobleme bis hin zu Asthma. Zöliakie ist auf die lange Sicht eine Gefahr. Weizenallergie kann im schlimmsten Fall sehr plötzlich zum Tod führen. 38,39 Die Angaben, wie viele Leute Weizenallergie haben, ist ziemlich schwammig. Von jenen, die bereits andere Nahrungsmittelallergien haben, haben ca. 11-25% auch eine Weizenallergie. 15,40,41

 

Und da ist noch die Dritte im Bunde: Die Gluten Sensitivität.

Auch bei ihr treten nach dem Verspeisen von Gluten unangenehme Symptome auf. Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Müdigkeit, Hauptprobleme und mehr. Kommen dir die bekannt vor? Weil die Symptome jenen der Zöliakie so ähnlich sind, spricht man auch von einer „Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität“. Die deutsche Sprache liebt es einfach eine ewig lange Wurscht an Wörter zu verpacken. Ich mein, Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität. Das ist tatsächlich ein Wort!

Allerdings kann man im Gegensatz zur Zöliakie diese bestimmte Blutwerte nicht finden. Und auch die Dünndarmschleimhaut schaut anders aus, als bei der Zöliakie. Die Wartezimmertüren sind nicht beschädigt.

Eine Theorie ist, dass man vielleicht auf andere Bestandteile von Getreide reagiert. Also gar nicht auf Gluten. Gluten wird eventuell fälschlicherweise beschuldigt.17

Die Gluten Sensitivität ist auch noch sehr schwammig und nicht klar definiert. Da wird irgendwie alles, was man nicht zuordnen kann, reingepackt. Die Diagnose erfolgt nämlich auch nur nach dem Ausschlussprinzip. Hat es die Werte die bei einer Allergie ersichtlich sind?

Nein. Ok, weiter.

Hat es die Werte von einer Zöliakie. Nein, auch nicht.

Aber die Symptome werden milder, wenn kein Gluten, bzw. gluten-haltige Getreide verspeist werden. Mhhh, dann ist es wohl die Gluten Sensitivität. 15,23

Unser Darm macht echt eine Menge für uns. Deswegen ist es auch irgendwie logisch, dass seine Wehwehchen komplex sein können. Der eine Darm mag das nicht, der andere was anderes nicht.

Einige Personen würde zwar das Gluten vertragen, aber dafür andere Bestandteile nicht, die als FODMAPS bekannt sind. FODMAP ist ein Sammelbegriff für bestimmte Kohlenhydrate. 42 Und auch jene haben weniger Verdauungsprobleme, wenn bestimmte Getreide nicht am Teller landen.

Die Anzahl an Personen mit tatsächlicher Zöliakie ist nicht wenig, aber überschaubar. Von den Personen mit einer Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität gibt’s einige mehr. Und damit auch einen Markt für glutenfreie Lebensmittel.

Auch wenn es super ist, dass es diese Artikel gibt, bitte denk daran, dass viele Lebensmittel von Natur aus kein Gluten enthalten. Diese haben zwar nicht in riesigen Buchstaben GLUTENFREI draufgedruckt, sind aber dafür auch um einiges kostengünstiger…

 

Bevor wir hier Gluten abschließen, möchte ich noch einen Satz hinzufügen: Für jene, die merken Gluten oder bestimmte Getreideprodukte tun mir nicht gut – > Nutzte den glutenfreien Markt. Aber ich möchte trotzdem noch betonen, dass Gluten an sich nichts Schlechtes ist.

Wenn man so durch die Supermarktregale schlendert, könnte man den Eindruck bekommen, dass Gluten an sich etwas verteufeltes ist und manchen Menschen die Schuppen noch nicht von den Augen gefallen sind. Aber glutenhaltige Produkte schreiben sich halt nicht drauf: strotz vor Gluten. Genauso wenig, wie  auf einer Kaffee-packung drauf steht: Strotzt vor Koffein. Viele Menschen vertragen Gluten ganz problemlos und können sich weiterhin ein knuspriges Brot und eine herzhafte Pasta schmecken lassen.

 

Zusammenfassung

Gluten ist eine Eiweißmischung die natürlicherweise in einigen Getreiden vorkommt. In der Lebensmitteltechnologie wird sie gerne genutzt. Leider reagieren manche Menschen mit Bauchweh, Durchfall, Blutarmut und mehr. Die Rede ist von Zöliakie. Bei dieser Autoimmunkrankheit verkennt das Immunsystem das Gluten als einen bösen Eindringling und versucht diesen zu bekämpfen. Währenddessen beschädigt es damit auch die eigene Dünndarmwand. Das Wartezimmer unseres Essens. Somit können auch andere Essensteilchen nicht mehr aufgenommen werden. Die Diagnose erfolgt mittels Blutabnahme, Dünndarmbiopsie und eventuell einem Gentest. Aktuell gibt es keine Therapie. Das einzige was hilft, ist eine gluten-freie Ernährung.

Neben der Zöliakie, erleben manche Menschen die Nicht-Zöliakie-Gluten-Sensitivität. Hier zeigen sich die gleichen Symptome wie bei der Zöliakie, aber andere Blut- und Darmwerte. Nicht verwechseln darf man die Zöliakie und die Nicht-Zöliakie-Gluten-Sensitivität mit der Weizenallergie. Wie auch bei anderen Allergien, reagiert der Körper gegen den Weizen. Das zeigt sich aber mit anderen Blutwerden und anderen Symptomen. Wie zum Beispiel Atemnot.

 

 

Fun Facts

Obwohl der Bagel seinen Riesen-aufschwung in den USA erlebte, hatte er seinen Beginn in Österreich. Einer Sage nach, wurde der Bagel von einem österreichisch jüdischen Bäcker als Dankeschön an den polnischen König Sobieski für seinen Einsatz gegen die Türkenbelagerung 1683 entwickelt. Und was eignet sich als Geschenk für einen begnadeten Reiter mehr, als ein Brot, das ausschaut, wie ein Steigbügel? Bagel – Bügel!

Der Bagel erfreute sich vor allem in der jüdischen Bevölkerung großer Beliebtheit und immigrierte mit dieser in die USA.

Obwohl ich diese Geschichte Spitze finde, möchte ich euch nicht vorenthalten, dass das ganze wahrscheinlich nicht mehr, als eine Sage ist. Wenn du mehr über Bagels lernen möchtest, dann schnapp dir doch das Buch: „The Bagel: The Surprising History of a Modest Bread“. 43–45

 

In der kommenden Episode hören wir uns in der mal mehr über Impfungen an. Masern-partys, der Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus, wie funktioniert so eine Impfung und kann man durch eine Impfung erkranken? Und natürlich: wie funktioniert diese Impfung gegen Corona?

Alle Shownotes inklusive Transkript und Quellen findest du wie immer auf www.biochemiemitbianca.com.  Folge dem Link in der Podcastbeschreibung. Außerdem findest du diesen Podcast auf Facebook und Instagram. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir auf diesen Kanälen folgt und diesen Podcast weiterempfehlt!

Danke euch!

Bis zum nächsten Mal bei Biochemie mit Bianca!

Servus und Baba

 

 

Apps Intoleranz:

  • All I can eat
  • Frag Ingrid
  • Histamin, Fructose & Co
  • CodeCheck -> auf einem Klick erfahren wie vielLaktose, Gluten, Fructose, Zucker, Fett und Salz in Produkten ist

 

 

 

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