#28: Impfungen – Wie, Warum und der Mythos über Autismus

 

 

Impfungen

Wie, Warum und der Mythos über Autismus

 

Hi, willkommen bei Biochemie mit Bianca. In der heutigen Episode geht’s um Impfungen.

Was passiert bei so einer Impfung im Körper? Wofür waren Masernpartys gut? Hängen Autismus und Impfungen zusammen?

 

Fangen wir mit den Basics an. Warum impft man überhaupt?

Impfungen schützen einen vor ansteckenden Krankheitserregern. Meist Bakterien oder Viren. Diese Krankheitserreger würden den Menschen krank machen UND man wäre selbst auch noch eine Verbreitungsmaschine dieser Krankheitserreger. Denn wenn man erkrankt, bedeutet dass, das die Krankheitserreger sich im Körper vermehren und zum Beispiel beim Husten oder Niesen in die Luft gesprüht werden, wo sie dann vom nächsten eingeatmet werden.

Ist man geimpft, kann man selbst nicht an dieser Krankheit erkranken und man kann auch andere Menschen nicht anstecken. 1,2

Aus diesem Grund ist die Herdenimmunität so wichtig. Herdenimmunität bedeutet, wenn ein bestimmter Anteil der Gesellschaft geimpft ist, kann dieser Anteil den Krankheitserreger auch nicht verbreiten. Somit sind auch diejenigen geschützt, die sich nicht selbst impfen lassen können. Zum Beispiel kleine Babys. 4

Die allererste Impfung wurde bereits im 18.Jht. gegen Pocken entwickelt. 5 Seitdem konnten dank Impfungen viele weitere Krankheiten stark reduziert werden. Da wären unter anderem Polio, Hepatitis, Feuchtblatterl und Masern. 5

Mittlerweile sind wir, vor allem in Industriestaaten, so an unser gesundes Leben gewöhnt und haben die schrecklichen Krankheiten schon ganz vergessen. Leider führt das bei manchen  Personen dazu, dass sie sich, bzw. die Kinder nicht mehr impfen lassen. Wenn Krankheiten durch Impfungen komplett ausgerottet sind, dann braucht man natürlich auch keine Impfung mehr. Zum Beispiel sind wir dank fleißigem Impfen diese schrecklichen Pocken los. Außerdem sind wir auf einem guten Weg auch die Kinderlähmung komplett hinter uns zu lassen. 6 Aber wenn die Krankheit noch ab und zu vorkommt und immer mehr Menschen verweigern die Impfung, dann gewinnt nur einer: Der Krankheitserreger. Denn dieser ist dann wieder am Vormarsch. Wir nehmen als Beispiel die Masern her. Gegen die Masern gibt es eine einfache und sichere Impfung. Aber aufgrund verschiedener Gründe, wie das Gerücht, dass Masern Autismus auslösen, lassen sich weniger Personen impfen. Und die Masern steigen wieder. Im Report 2019 der WHO zeigten die ersten drei Monate eine 300%-ige Steigung an weltweiten Masernfällen, im Vergleich zu 2018. 7,6

Viele mussten die Masern nicht am eigenen Leib erfahren. Aber zur Erinnerung: Nicht nur sind Masern höchst ansteckend, es kann auch wirklich blöd ausgehen.

Also wirklich ansteckend! Wenn ein Masernerkrankter in den Raum hustet, dann bleiben die Masernviren für Stunden in der Luft hängen. 90% derjenigen die nicht immun sind, stehen als nächster auf der Liste der Erkrankten.

Manche bekommen nur Fieber und rote Punkte am Körper. Wenn man Pech hat, kommt noch eine böse Ohrinfektion, Bronchitis, Lungenentzündung und Gehirnhautentzündung mit Folgeschäden dazu. Während der Schwangerschaft können Masern eine Frühgeburt und sogar eine Totgeburt verschulden. 8,9 Bei Kindern unter 5 Jahren zählen Masern weltweit leider noch immer zu den häufigsten tödlichen Infektionen. 10

Aber zum Glück gibt’s mittlerweile eine sichere Impfung dazu. Oder ist das alles nur eine Verschwörung und die böse Pharmalobby verschweigt die tiefschürfenden Beweise, dass die Masernimpfung HÖCHSTGEFÄHRLICH ist und sogar Autismus verursachen kann??

 

Wie kommt man denn überhaupt auf die Idee? Bzw. wer kam auf die Idee?

In den späten 90er Jahren kam der britische Arzt Andrew Wakefield auf die Idee. Wakefield war Gastroenterologe. Also ein Arzt der sich mit dem Magen-Darm-System beschäftigt.

Er untersuchte genau diesen Bereich von 12 autistischen Kindern, welche im Vorfeld die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln, kurz MMR, erhalten haben.

All diese Kinder hatten eine Entzündung im Darm, welche den Namen „autistische Enterokolitis“ bekam. Daraufhin hatte er die Erkenntnis, dass diese Entzündung nur durch die MMR-Impfung entstanden sein kann und die dann Autismus verursacht hat. 3,11,12

Genauso könnte ich behaupten, dass ich den Grund für die Hurrikanes in Florida gefunden habe. Nach meinen Beobachtungen holen die Bewohner Floridas ihre Badehosen immer so im Mai bei 30°C raus. Auch habe ich beobachtet, dass die Hauptsaison der Hurrikans von Juni bis September läuft. 13 Das kann doch kein Zufall sein? Aus diesen unglaublich überzeugenden wissenschaftlichen Argumenten stelle ich die These auf, dass Hurrikans entstehen, weil die Badehosen aus dem Schrank geholt werden.

 

Diese Impfung verursacht Autismus-These ist mal wieder ein tragisches Beispiel von

Korrelation ist nicht Kausalität. Nur weil Dinge gemeinsam auftreten, bedeutet das nicht, dass das eine das andere verursacht. 14 Das Auspacken der Badehosen verursacht keinen Hurrikan und die MMR-Impfung verursacht nicht Autismus. Lt. Aktuellen Forschungsergebnissen, denken Forscher, dass die Grundlage für Autismus bereits beim Fötus entstehen. 15,16

Der einzige Zusammenhang zwischen Autismus und MMR-Impfungen ist hier das Alter: Sowohl MMR-Impfungen als auch die Diagnose zu Autismus erfolgt meist in Kleinkindalter.17 Einen ähnlichen Fehler macht man mit der Aussage: Laktat verursacht Muskelkater. Stimmt nämlich auch nicht. Laktat ist nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Mehr dazu in der Episode #9 Muskeln und Spaghetti.

https://biochemiemitbianca.com/muskeln-spaghettis-muskelkater-keinlaktat-myosin-aktin/

 

Um die restlichen Zweifel auch aus dem Weg zu räumen, hören wir uns mal um, wie diese Studie von dem Gastroentologen Wakefield durchgeführt wurde:

Von den untersuchten 12 Kindern zeigten neun Kinder autistische Symptome. Eine sehr bescheidene Anzahl für statistische Aussagen.

Wurde der Darm der betroffenen Kinder vor der Impfung untersucht? Nein. Woher weiß man dann, dass sie vorher keine Entzündungen hatten und erst durch die Impfung entstanden ist?

Gab es eine Testgruppe von geimpften Kindern ohne Autismus? Nein. Äußerst selektive Testgruppe.

Gab es eine Testgruppe von geimpften Kindern mit Autismus? Nein. Somit kann aber nicht statistisch signifikant festgestellt werden, ob autistische Kinder mehr oder weniger Probleme mit dem Darm nach der Impfung haben.3

 

Kurz: Die Studie stinkt bis zum Himmel.

Sie stinkt so sehr, dass das Paper in dem sie veröffentlicht wurde, zurückgezogen wurde. 18 Außerdem wurden ihm in seinem Heimatsland UK die Lizenz zum Praktizieren entzogen, da er während und außerhalb der Studie gegen diverse Richtlinien verstoßen hat.19,20 Zum Beispiel wurde diese Studie teils von den Anwälten finanziert, welche gegen Impffirmen involviert waren. Es wurde keine repräsentative Stichgruppe, sondern ganz gezielt ausgewählt. Wissenschaftliche Missinterpretation. Verfälschung der Fakten. 1,2,21

Invasive Untersuchungsmethoden wurden bei Kindern durchgeführt ohne das OK der Ethikkommission zu haben. Und Und Und

Puh. Luft holen.

 

Ich geh da so genau darauf ein, NICHT weil ich jegliche Kritik an Impfungen abtöten möchte. Im Gegenteil. Kritik ist essentiell für die Wissenschaft. Davon lebt sie. Ansonsten gäbe es keinen Fortschritt und es würden noch immer rothaarige Frauen als Hexen verbrannt und weitere sonderliche Praktiken durchgeführt werden.

Mir ist aber wichtig zu zeigen, dass wirklich viel Schaden verursacht werden kann, wenn die Arbeit nicht sorgfältig durchführt und Kritiker nicht anhört werden. Ja Richtig. Wakefield hat nämlich mehr als genug Kritiker.

Nicht nur wurden die Daten – die gesamten Daten – von Wakefields Gruppe erneut beleuchtet und man kam auf ganz andere Ergebnisse. 22

Es wurden auch unzählige Studien mit sprichwörtlich mehrere 100 000ende Personen durchgeführt und alle sind sich einig: Es besteht keine Verbindung zwischen der MMR-Impfung und Autismus. 23,16,24,25,26

 

Ich verstehe vollstens, dass man Kinder beschützen möchte. Aber leider finden diverse sensationsgeile Talkshows, durch die Wakefield spaziert ist, mehr Zuhörer und Zuschauer als nüchterne wissenschaftliche Fakten.

 

Aber dafür möchte ich meinen Teil tun: nüchterne wissenschaftliche Fakten so aufbereiten, dass sie ihre spannende Seite zeigen. Dafür braucht man die Daten nicht verfälschen. Denn die Forschung und unser Körper ist spannend genug.

Bei Impfungen macht man sich die Genialität des Körpers zu nutze.

 

Um Impfungen zu verstehen, hören wir uns kurz an, wie unser Immunsystem auf Krankheitserreger reagiert.

 

Kleine Menschenbabys kommen mit einem Starterpaket des Immunsystems auf die Welt. Wir sprechen vom angeborenen Immunsystem. Dieser erste Ast des Immunsystems ist wie ein Feuerlöscher. Auf den möchte ich nur ganz kurz eingehen. Auch wenn dieser Ast nichts mit Impfungen zu tun hat, kann ich dir ein paar Dinge nicht verschweigen. Sie sind einfach zu lustig! Ich verspreche, ich halte es einfach. Das angeborene Immunsystem erkennt (durch TLR= Toll like Receptors) körperfremde Teilchen, wie zum Beispiel Bakterien. Gleich daraufhin schlägt es Alarm in der Form einer Entzündung. Das löst dann eine Kaskade von verschiedenen Molekülen aus (Chemotaxis, Mastzellen) und schlussendlich kommen die verfressensten Zellen auf den Spielplan. Die Fresszellen. Die schieben sich über die Krankheitserreger, verschlingen und vernichten sie. Ich muss da immer an Golden Retriever denken. Vor denen ist auch nichts sicher.;)
Es gibt verschiedene Arten von Fresszellen und eine davon zeichnet sich durch ihre Aufopferungsgabe aus. Diese Zellen (neutrophile Granolozyten) nehmen ihre eigene DNA her und ummanteln sie mit einem Cocktail von antibakteriellen Substanzen (NETs= Neutrophil Extracellular Traps), also Gift für Bakterien. Dann explodieren diese Zellen, schleudern ihr Giftnetz auf die Bakterien und verwundet diese. 27,28

Einfach zu cool. Ich glaub ich muss mal eine eigene Episode nur über das Immunsystem machen.

 

Aber Kinder können wirklich ständig krank sein. Und das ist auch wichtig. Denn das Immunsystem von Kindern lernt bei jeder Krankheit dazu. Das ist dann der zweite Ast des Immunsystems: das erworbene Immunsystem. Und hier klinken wir uns auch wieder für die Impfungen ein.

Während das angeborene Immunsystem so circa alles attackiert, was körperfremd ist, ist das erworbene Immunsystem viel genauer.

Es schwimmt also nun ein Eindringling im Körper. Jeder Eindringling schaut ein bisschen anders aus, hat verschiedene Merkmale. Zum Beispiel trägt der Krankheitserreger für Masern einen Hut. Dieses bestimmte Merkmal, der Hut, heißt Antigen. Diesen Hut wird durch B-Zellen des Immunsystems erkannt. Wir nennen die B-Zellen: Berta-Zellen. Es schwimmen unzählige Berta-Zellen ins uns rum und die präsentieren auf ihrer Zelloberfläche sogenannte Antikörper. Antikörper sind ganz spezifische Waffen, die wir gegen die Antigene, die Eindringlinge, haben. Mit diesem Ausstellungsstück auf der Zelloberfläche schwimmt die Berta-Zelle rum und zeigt stolz, was sie hat. Jeder Antikörper passt auf ein anderes Antigen. Nun gibt es einen Antikörper, der genau zu diesem Hut, zu dem Antigen passt. Da Bakterien selten alleine kommen, brauchen wir auch mehr als nur einen einzigen Antikörper. Die Berta weiß nun, ich brauch ganz viele Antikörper die auf Hüte passen. Deswegen klont sie in ihrem Inneren genau diesen Antikörper der auf den Hut gepasst hat und schickt sie aus in die weite Welt des Körpers. (Die B-Zelle wird dadurch zu einer Plasmazelle)

Aber natürlich ist Irren menschlich. Und auch Berta-Zellen können sich mal irren und völlig grundlos Antikörper klonen und ausschicken. Damit das nicht passiert, braucht es immer noch eine andere Zell-art, die der Berta versichert: „Ja, wir stehen unter Beschuss. Es ist Zeit unsere Waffen, alias Antikörper, zu mobilisieren.“27,29

Und hier kommt die T-Zelle ins Spiel. Neben der B-Zelle, gibt es auch die T-Zelle. Wir nennen sie Theodor-Zelle. Der Theodor kann zwar selber keine Antikörper bilden, aber er versichert der Berta, dass er den Eindringling auch gesehen hat. Somit hat die Berta alles was sie braucht. Sie weiß, es gibt einen Eindringling, weiß welcher Antikörper zu produzieren ist und Theodor hat ihr das Ganze auch noch versichert. So reagiert der Körper, wenn er mit einem Krankheitserreger konfrontiert ist. Dieser ganze Aufwand geht nicht spurlos vorüber. Wir als Mensch merken das in dem Körperstellen entzündet sind, Fieber bekommen, uns abgeschlagen fühlen und so weiter. Kurz: wir fühlen uns krank.

 

Wenn die Kindheit vorbei ist, werden die Menschen aber nicht mehr soooo oft krank (durch Infektionskrankheiten). Und das verdanken wir unserem Gedächtnis. Nicht das Gedächtnis, dass die Englisch-vokabeln gelernt hat, sondern dem Gedächtnis von unserem Immunsystem. Paar von den Berta- und Theodorzellen bilden sich zu sogenannten Gedächtniszellen. Die erinnern sich ganz genau, wie dieser Hut der Masernerreger ausgeschaut hat. Und sollte so ein Masernerreger mit Hut sich mal wieder in den Körper trauen, dann erkennen die Gedächtniszellen den Erreger sofort und können viel schneller als beim ersten Treffen die körpereigenen Kämpfer aktivieren und den Erreger beseitigen, bevor dieser was anstellen kann. 27,30,31

 

 

Dieses Wissen wie unser Immunsystem Krankheitserreger bekämpft, macht man sich bei Impfungen zu Nutze:

 

Ganz grob unterscheidet man zwischen einer passiven und einer aktiven Immunisierung. Die passive Immunisierung heißt passiv, weil der Körper nix tun muss. Antikörper – also die Waffen gegen einen Krankheitserreger – werden fix fertig eingeimpft. Auch Babys bekommen durch die Nabelschnur schon fertige Antikörper von der Mutter mit. Ein Starterpaket quasi.

Der Vorteil liegt an der Hand: Die Waffen sind sofort verfügbar. V.a bei Krankheiten die sehr akut sind, ist das sehr hilfreich.

Aber es gibt auch einen Nachteil: Der Körper lernt dadurch nicht, wie er mit diesem Krankheitserreger umgeht. 32–34 Das ist so, als würd jemand anderer deine Hausaufgaben machen. Das Ding ist zwar erledigt, aber gelernt hast du dabei nichts.

 

Aus dem Grund gibt’s die aktive Immunisierung. Also der Körper muss aktiv selbst Antikörper herstellen, um den Krankheitserreger zu vernichten. Das macht er entweder, wenn er mit dem echtes Krankheitserreger angesteckt wird, oder indem man dem Körper bewusst diesen Krankheitserreger vorstellt. Dieses bewusste vorstellen ist die aktive Immunisierung. Man impft dem Körper einen geschwächten, oder abgetöteten Krankheitserreger ein. Manchmal auch nur einen Teil davon. Also zum Beispiel den Hut der Masernviren. Der Krankheitserreger ist zu schwach, oder gar tot, um im Körper die Krankheit ausbrechen zu lassen. Aber trotzdem hat er die äußeren Merkmale wie ein quietschlebendiger Erreger. Also den Hut. Deshalb reagiert der Körper mit seiner ganzen Maschinerie mit Berta-Zellen, Theodor-zellen und Antikörper. Und das wichtigste: Gedächtniszellen bleiben über. 35,34         Bei einer aktiven Immunisierung macht der Körper seine Hausaufgaben. Er lernt anhand einfacher Beispiele und wenns‘ dann hart auf hart kommt, dann ist er top ausgebildet!

Das ist genauso, wie wenn eine Katzenmutter ihren Babys halbtote Mäuse bringt, damit diese lernen, selbst zu jagen.

Bei manchen Krankheitserreger reicht eine einmalige Immunisierung ein Leben lang, andere brauchen in bestimmten Abständen eine Booster-Impfung, da die Gedächtniszellen dafür vergesslich werden und verschwinden. 36 Die einzigen Nachteile daran sind: 1).) Es dauert ein bisschen, bis der Schutz gegeben ist. Schließlich muss der Körper das alles erst produzieren. Und 2.) kleine Nebeneffekte einer Infektion können auftreten. Also zum Beispiel leichtes Fieber, Abgeschlagenheit und Rötung der Einstichstelle. Aber ganz wichtig: Wenn diese Symptome auftauchen, dann ist das nicht der Beginn der Erkrankung, sondern nur ein Zeichen, dass das Immunsystem auf Hochtouren läuft und seine Kämpfer und anschließend Gedächtniszellen produziert. 37,38

 

Wenn diese aktive Immunisierung so lange wirkt, dann könnte man doch auch statt Impfungen den Krankheitserreger aktiv suchen, um sich einmal anzustecken und anschließend immun sein. Das ist der Gedanke von zum Beispiel Masern-Partys, oder manchmal auch Corona-Partys.

Das ist einfach nur… wie soll ich das ausdrücken… absolut bescheuert.

Es ist nicht nur bescheuert, es gilt sogar als fahrlässiger Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten (AUT: Paragraf 179 StGB). 39–41

Ja, bei einer Masern-Party stecken sich die Leute an und sind anschließend immun dagegen. Oder man endet bei einer schlimmen Gehirnhautentzündung. Bei diesen Partys wird vergessen, wie gefährlich Masern sein können! Ich darf daran erinnern, dass bei Kindern unter 5 Jahren die Masern weltweit zu den häufigsten tödlichen Infektionen zählen. 10

Also ein ganz klarer Appell hier: Kritik ist immer wichtig. Falls Bedenken zu Impfungen auftauchen, bitte seid achtsam, alle Seiten anzuschauen und nicht nur diejenige, die der eigenen Meinung zuspielt. Aktuell leben wir in dem Luxus, dass wir viele Infektionskrankheiten nur von Erzählungen kennen. Damit das auch so bleibt,

sollten wir auf die Wissenschaft hören und sowohl uns, als auch unsere Mitmenschen dank Impfungen schützen.

 

Zusammenfassung:

In den letzten Jahren kennen wir viele Krankheiten nur mehr aus Erzählungen. Gemeinsam mit beweislosen Gerüchten verursacht das einen Rückgang an bestimmten Impfungen und damit einen Vormarsch der Krankheiten.

Geimpfte Menschen sind selbst vor Infektionskrankheiten geschützt und können deshalb ihre Mitmenschen auch nicht anstecken. Dabei macht man sich das eigene Immunsystem zu Nutze. Bei einer passiven Immunisierung bekommt man direkt die kleinen Waffen, die Antikörper. Die sind schnell verfügbar, aber der Körper lernt nichts dabei. Im Gegensatz dazu lehrt man dem Körper bei einer aktiven Immunisierung wie er sich selber schützen kann. Mittels schwachen oder abgetöteten Krankheitserregern bringt man dem Körper die Sache behutsam näher. Berta- und Theodor-Zellen tauschen sich untereinander aus, bilden Antikörper und Gedächtniszellen.

 

 

Fun Facts:

Die erste Impfung, welche im späten 18. Jahrhundert entwickelt wurde, sollte gegen Pocken schützen. Neben den menschlichen Pocken gab es auch Kuhpocken.

Diese Kuhpocken machte man sich für eine gezielte Immunisierung zu Nutze. Sie waren weniger gefährlich, als menschliche Pocken, erzielten aber dennoch die gewünschte Immunität gegen menschliche Pocken. Dem verdanken wir das englische Wort für Impfungen: Vaccine. Kuh heißt auf Latein vacca. Die Kuhpockenerreger wurden Vaccinia genannt. Mittlerweile weiß man, dass damals auch viel mit Pferdepockenerreger gearbeitet wurde. Pferd ist auf Latein: equus. Aber nun ja, nun ist es wohl zu spät um Vaccine umzutaufen. Oder wie wärs denn mit Equusine? 42–45

 

In der nächsten Episode sprechen wir über Impfstoffe, der gerade die ganze Welt beschäftigt: Corona-Impfstoffe. Wie funktionieren Sie? Gibt es Bedenken? Was können wir uns davon versprechen?

Ich versuche die innere Welt ins uns einfach zu halten und liste deshalb nicht jede einzelne Zellart auf. Vor allem das Immunsystem strotzt nur vor einer Vielzahl an verschiedenen Zellen. In den Shownotes habe ich aber in Klammern die jeweiligen betroffenen Zellen notiert. Falls du dich näher dafür interessierst, dann schau doch rein. Dort findest du wie immer auch alle Quellen und das gesamte Transkript.  www.biochemiemitbianca.com.  Folge dem Link in der Podcastbeschreibung. Außerdem findest du diesen Podcast auf Facebook und Instagram. Besonders würde ich mich freuen, wenn ihr mir auf diesen Kanälen folgt und diesen Podcast weiterempfehlt!

Danke euch!

Bis zum nächsten Mal bei Biochemie mit Bianca!

Servus und Baba

 

 

 

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  2. Opel, D. J., Diekema, D. S. & Marcuse, E. K. Assuring research integrity in the wake of Wakefield. BMJ 342, 179 (2011).
  3. Wakefield, A. J. et al. Retracted: Ileal-lymphoid-nodular hyperplasia, non-specific colitis, and pervasive developmental disorder in children. Lancet 351, 637–641 (1998).
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