Alkohol – über Kater, Essattacken und alte Hüte

Marula Fruit Party: Betrunkene Tiere

 

Alkohol – über Kater, Essattacken und alte Hüte

Hi! Willkommen bei Biochemie mit Bianca!

Heute widmen wir uns dem Alkohol, Kater, Essattacken und alten Hüte zu!

Anfang Dezember, die Weihnachtsfeiern beginnen. Alle Kollegen kommen in ihren besten Outfits und genießen das Abendessen. Und ein Glaserl Wein. Und noch ein Bier.

Und noch eins und noch eins und noch eins….

Mit der Anzahl an Glaserl füllt sich auch die Tanzfläche mit rhythmischen uuuund etwas weniger rhythmischen Tänzern. Den Bierliebhaber Karli scheint mehr Flüssigkeit zu verlassen, als er mit Bier auffüllen kann.

 „Boah, das Bier treibt“

Und die Imbissbude draußen macht den Umsatz des Tages. Der arme Karli wacht am nächsten Tag mit einem irrsinnigen Schädel auf und hat einen schrecklichen Durst. Einen sogenannten Brand.   

„Ugh.. nie wieder Alkohol!“

Heute klären wir warum Alkohol den Karli enthemmt die Tanzfläche stürmen lässt, warum er so oft aufs Klo muss, was den Appetit auf fettiges Essen und den Durst am kommenden Tag verursacht und warum dieser schrecklicher Kater verlässlich am nächsten Tag eintrifft. Und was am effektivsten dagegen hilft. Ist es vielleicht wirklich das Reparaturseidl bzw. Konterbier?

 

Fangen wir von vorne an.

Alkohol sind Substanzen die mit -ol im chemischen Namen enden. Zum Beispiel MethanOL in Farbstoffen, oder IsopropanOL in Reinigungsmittel. Heute wenden wir uns dem EthanOL zu, das alkoholische Getränke eben alkoholisch macht. 1

 Alkohol fällt als Nebenprodukt an, wenn Hefe Zucker in Energie umwandelt. Und das unter Ausschluss von Sauerstoff.

Diese Energieumwandlung funktioniert bis die maximale Grenze von 23% Alkohol erreicht ist. Bei mehr Alkohol würde die Hefe an ihrem eigenen Stoffwechselprodukt, dem Alkohol, sterben.

Jip. Nur der Mensch schüttet sich freiwillig 40%igen Tequilla rein. 2 Aber nun gut. Die lustigsten Geschichten begannen noch nie mit einem Salat….

Frage Nummer 1:

Warum stürmt der sonst schüchterne Karli die Tanzfläche und fordert alle Kollegen zum Macarena tanzen auf? In unseren Hirnen beeinflussen bestimmte Moleküle, Neurotransmitter GABA und Glutamin genannt, unter anderem unser Gedächtnis, Gleichgewicht und Emotionen.

Es beginnt damit, dass Alkohol einen Bereich in unserem Hirn unterdrückt das uns im nüchternen Zustand mit leiser Stimme zuflüstert: „Nein, du bist nicht Weltmeister in Karaoke.“

Wenn diese kleine Stimme unterdrückt ist, fallen jegliche soziale Hemmungen.  Und Macarena kommt ja auch nie aus der Mode. 😉

Nach und nach beeinflusst Alkohol auch die Hirnbereiche welche die Schmerzschwelle steigen lässt, Bewegungen koordiniert und Emotionen steuert. Das mag vielleicht abstrakt klingen. Aber Nachrichten wie „Ich werde dich immer lieben!“, an den oder die Ex? Das kennst du vielleicht. Natürlich nur von Freunden….

 

Frage Nr. 2:

Warum muss man so viel öfters Pinklen?

Der menschliche Körper besteht großteils aus Wasser. Unsere Nieren haben die wichtige Aufgabe große Teile des Wassers, welches bei ihnen ankommt, zurück in den Körper zu schleusen. Um diese wichtige Aufgabe zu bewerkstelligen, brauchen die Nieren das Hormon ADH. Diese Abkürzung steht für „antidiuretisches Hormon“, was man übersetzten könnte mit

Anti-Pipi-Hormon. Alkohol hemmt die Ausschüttung von diesem Anti-Pipi-Hormon was zur Folge hat, dass die Schlange vor den Toiletten wir durch ein Naturgesetz nie kürzer wird. Getränke die dann zusätzlich Kohlensäure enthalten, wie Bier oder Sekt, üben Druck auf die ohnehin schon volle Blase aus. So als ob jemand gemeinerweise mit dem Finger auf die Blase drückt.

Der ständige Lauf zum Klo kann anstrengend werden, aber weitaus wichtiger ist, dass uns durch den Mangel an Anti-Pipi-Hormon tatsächlich mehr Flüssigkeit verlässt als wir zu uns nehmen. Deswegen ist es wichtig während der Partynacht und am Folgetag viel Wasser zu trinken, um einer Dehydration vorzubeugen.  3,4

 

Frage Nr. 3 für die Munchis unter uns:

Warum schmeckt Kebab und Grillkäse sooo gut, wenn man betrunken ist? Man könnte doch meinen, dass Alkohol sättigt. Schließlich hat es mehr Kalorien pro Gramm als Zucker oder Protein. Unter normalen Bedingungen sendet unser Körper nach der Kalorienaufnahme Signale an unser Hirn. Diese Signale werden von bestimmte Neuronen empfangen die verstehen: „Danke, gut wars, bin jetzt satt“.

Alkohol schickt aber Signale an den hungrigen Bruder dieses Sattheits-neurons der dann nur versteht: „Huuuunger“. Dieses Hunger-neuron ist wichtig, wenn wir wirklich zu wenig Energie im Körper haben und uns dann veranlasst, etwas zu essen. Aber Alkohol…Alkohol macht uns zum Nimmersatt.5,6

Da gibt es eine lustige Studie! In dieser Studie hat man an Mäuse untersucht, ob es nicht der soziale Faktor ist, der den Appetit steigert. Die Frage war also, ob wir den Würstelstand ausräumen, weil wir betrunken sind, oder weil wir zusammen betrunken sind. Nachdem man die Mäuse auf der einen Seite in coole Mäuse-cliquen und auf der anderen Seite in Single-Maus-haushalte aufgeteilt hat, wurden Mäuse-shots ausgeteilt. Das Ergebnis bestätigte, dass die betrunkenen Mäuschen auch in ihren Single-haushalten zum Vielfraß wurden.5

 

Frage Nr. 4: Ganz wichtige Frage:

Warum werden wir nach einer wilden Partynacht mit Kopfweh, Übelkeit und einfach nur alles Bäähh, kurzum mit einem Kater bestraft?

Wenn wir unser Lieblingsbier trinken, oder wie meine Mama zu sagen pflegt: „ein Biertschi“, arbeiten zwei Enzyme daran, um den aufgenommen Alkohol in Energie umzuwandeln. Enzym 1 namens Alcohol Dehydrogenase verwandelt Alkohol in das toxische Produkt Acetaldehyd. Acetladehyd klingt so ähnlich wie alte Hüte.Niemand mag alte Hüte in sich rumschwimmen haben. Deshalb werden diese alten Hüte von Enzym 2, mit dem Namen Aldehyd Dehydrogenase weiterverarbeitet. Schlussendlich springt Energie raus.

Also zusammengefasst:

Alkohol wird durch Enzym 1 zu ranzigen alten Hüten verwandelt, die dann von Enzym 2 fachgerecht entsorgt werden.

So weit so gut.

Allerdings arbeitet Enzym 2 etwas langsamer als Enzym 1 und braucht deshalb immer ein bisschen Zeit um die alten Hüte zu entsorgen. In der Zwischenzeit sammeln sich in uns diese ranzigen Kopfbedeckung mehr und mehr an. Bei manchen Menschen, vor allem bei vielen Asiaten, ist Enzym 2 sehr schwach ausgeprägt. Das führt zu einer großen Anhäufung an alten Hüten die unter anderem den „Asian Glow“, eine starke Rötung im Gesicht verursachen.

Aber was machen diese alte Hüte überhaupt?

Die alten Hüte binden an Proteine in unserem Körper und verhindern deren wichtigen Funktionen. Zum Beispiel klammern sie sich an ein Protein das die wichtige Aufgabe hat unseren körpereigenen Code, die DNA, zu reparieren. Somit kann dieses Protein seiner Aufgabe nicht mehr nachkommen.7

Da die Enzyme 1 und 2 in der Leber arbeiten, häufen sich hier viele alte Hüte an. Aus diesem Grund kommt es zu Schäden der Leber wie Leberzirrhose oder auch Leberkrebs. 8

Das eigene Immunsystem erkennt diese Kombination von Leberzelle und alten Hüten und merkt, dass die alten Hüte die körpereigenen Funktionen einschränken. Wachsam wie immer bekämpft das Immunsystem die alten Hüte. Da diese alten Hüte aber so gut an den eigenen Leberzellen haften, werden auch diese zwangsläufig vom eigenen Immunsystem angegriffen.

Zurück bleibt vernarbtes- und unnützes Lebergewebe.9

Dieser und viele weitere Mechanismen führen bei exzessivem Alkoholmissbrauch zu gravierenden Schäden von Nerven, Hirn, Herz-Kreislaufsystem, Leber und anderen Körperregionen.

Aber ok.

Zurück zum Karli.

Karli ist in der Regel kein exzessiver Trinker, aber er hat es halt bei der Weihnachtsfeier krachen lassen. Und der Morgen danach ist einfach nur Kater-schrecklich.

Die bekannten alten Hüte und deren Abbauprodukte tun ihren Teil dazu. Der unglaubliche Durst von Karli kommt von seinen häufigen Gängen aufs Klo letzte Nacht. Mit dem vielen Wasser das ihn verlassen hat, hat er auch viele Elektrolyte verloren. Unter Elektrolyte fallen zum Beispiel Natrium, Magnesium oder auch Chlorid.

Sie sind essentiell für einen aufrechten Wasserhaushalt und eine passende Flüssigkeitsverteilung innerhalb des Körpers10. Bei Verlust dieser Elektrolyte jammert der Körper mit Kopfweh, Übelkeit und Müdigkeit.

Was steckt hinter dem Mythus, man soll nicht mischen?

Manche Getränke, vor allem jene, die lange reifen, oder fermentiert wurden, wie zum Beispiel Rotwein oder Whiskey enthalten Stoffe, die Kopfweh auslösen. Und weil es so lustig ist, dirigiert jeder Stoff sein eigenes Kopfweh. Je mehr verschiedene Alkoholika man mischt, desto größer wird das Kopfwehkonzert.

Alkoholika mit wenigen Begleitstoffen, wie zum Beispiel Wodka, sind geschmacklich nicht ganz so intensiv, verursachen deshalb aber auch weniger Kopfweh. Im Gegensatz dazu schmeckt man beim Whiskey das Eichenfass regelrecht raus, bekommt deshalb aber auch mehr Kopfweh.

 

Also die Antikopfwehdevise lautet:

  1. Nicht mischen und
  2. Lieber Wodka statt Whiskey!11

 

Nun zu unserer letzten Frage:

Was hilft gegen Kater?

Das Reparaturseidl, auch Konterbier genannt, am nächsten Morgen verzögert leider nur den Kater. Und man hat im Endeffekt nur mehr Alkohol in sich der verarbeitet werden muss.

Kaffee!

Kaffee kann tatsächlich helfen. Denn es verengt die Blutgefäße im Kopf die durch den Alkohol erweitert wurden und zum Kopfweh beitragen.

Essen!

Vor allem fettiges Essen verzögert die restliche Alkoholaufnahme im Magen. Der Alkoholabbau dauert dann zwar länger, ist aber zumindest etwas erträglicher. Das perfekte Katerfrühstück besteht also aus einem Früchtesmoothie um die Elektrolyte aufzufüllen, Eier, denn die enthalten eine Aminosäure die für den Abbau von alten Hüten wichtig ist, Kaffee und natürlich Wasser, Wasser, Wasser!11

 

Zusammenfassung:

Der Trinkalkohol Ethanol wird unter Sauerstoffausschluss von großteils Hefe aus Zucker gewonnen. Macarena wird nie aussterben, da Alkohol bestimmte Hirnregionen so beeinflusst,

dass sämtliche soziale Hemmungen fallen und wir zum größten Kuschelbären werden.

Der menschliche Körper brauch Enzym 1 und Enzym 2, um Ethanol in Energie umzuwandeln.

Das giftige Zwischenprodukt Acetaldehyd, die alten Hüte, sind für Schädigungen im Körper zuständig welche sogar lebensgefährlich werden können.

Der verhasste Kater am nächsten Morgen wird einerseits durch die alten Hüte ausgelöst, aber durch Dehydration wegen Mangel an Anti-Pipi-Hormon verstärkt und so richtig in Schwung gebracht durch Stoffe welche sich durch Reifung und Fermentation in unseren Getränken befinden. Um dem Zombiemodus am nächsten Morgen schneller zu entfliehen, hilft Kaffee, Smoothie, Eierspeise und viel Wasser!

 

Fun Facts

Es scheint, als ob unsere Gene den Hang zur Alkoholsucht beeinflussen können!

Ich will euch hier in Kürze eine Studie vorstellen:

Ratten lieben Süßes.

Und wenn man Ratten zwischen einem süßen und einem alkoholischen Getränk wählen lässt, gewinnt meisten das süße Getränk. Allerdings präferieren 10 – 15 % der Ratten das alkoholische Getränk! Sie laufen sogar über Mini-elektroschocks nur um zu ihrem Alkohol zu kommen! Es scheint so, als ob ein Molekül im Hirn für dieses Verhalten verantwortlich ist und Wissenschaftler haben auch schon Parallelen zu alkoholsüchtigen Menschen hergestellt.12

Auch andere Tiere außer Ratten sind dem Alkohol nicht ganz abgeneigt. Wenn du betrunkene Affen und Elefanten sehen möchtest, empfehle ich dir sehr stark das Youtube Video: Marula fruit party.

Außerdem gibt’s da tanzende Giraffen und ein Strauß mit Gleichgewichtsproblemen zu sehen. Mein persönlicher Favorit ist ja der Affe am Tag danach. 

In diesem Sinne: Viel Spaß bei der nächsten Feier! don’t drink and drive.

In der nächsten Episode widmen wir uns dem Cholesterin. Oder doch Cholesterol? Und der Taxifahrt zur Mona Lisa

Bis zum nächsten Mal bei Biochemie mit Bianca!

Servus und Baba

 

Wenn du mehr wissen möchtest, folge den Quellen dieser Episode:

 

  1. SAV Liquid Production GmbH. SAV Liquid Production GmbH. SAV Liquid Production GmbH Available at: https://www.sav-lp.de/. (Accessed: 23rd April 2019)
  2. Hilberg, W. C. Alkohol- Herstellung, Wirkung und Abbau. https://www.paneuropeannetworkspublications.com/ (2018). Available at: https://www.paneuropeannetworkspublications.com/alkohol/. (Accessed: 23rd April 2019)
  3. Olson, S. The Science Of ‘Breaking The Seal’: Urge To Urinate Comes More Often With Inhibition Of Anti-Diuretic Hormone. Medical Daily (2015). Available at: https://www.medicaldaily.com/science-breaking-seal-urge-urinate-comes-more-often-inhibition-anti-diuretic-hormone-316382. (Accessed: 23rd April 2019)
  4. Epstein, M. Alcohol’s Impact on Kidney Function. Alcohol Heal. Res World. 21, 84–92 (1997).
  5. Cains, S., Blomeley, C., Kollo, M., Rácz, R. & Burdakov, D. Agrp neuron activity is required for alcohol-induced overeating. Nat. Commun. 8, 14014 (2017).
  6. Essner, R. A. et al. AgRP Neurons Can Increase Food Intake during Conditions of Appetite Suppression and Inhibit Anorexigenic Parabrachial Neurons. J. Neurosci. 37, 8678–8687 (2017).
  7. Seitz, H. K. & Stickel, F. Molecular mechanisms of alcohol-mediated carcinogenesis. Nat. Rev. Cancer 7, 599–612 (2007).
  8. Setshedi, M., Wands, J. R. & Monte, S. M. de la. Acetaldehyde adducts in alcoholic liver disease. Oxid. Med. Cell. Longev. 3, 178–85 (2010).
  9. Jarnagin, W. R., Rockey, D. C., Koteliansky, V. E., Wang, S.-S. & Montgomery Bissell, D. Expression of Variant Fibronectins in Wound Healing: Cellular Source and Biological Activity of the EIIIA Segment in Rat Hepatic Fibrogenesis. J. Cell Biol. 127, 2037–2048 (1994).
  10. SOS.de. Was sind Elektrolyte und wozu dienen sie? sos.de Available at: https://www.sos.de/was-sind-elektrolyte-und-wozu-dienen-sie. (Accessed: 12th May 2019)
  11. Lacy Perry. How Hangovers Work. Howstuffworks Available at: https://health.howstuffworks.com/wellness/drugs-alcohol/hangover.htm. (Accessed: 21st March 2019)
  12. Augier, E. et al. A molecular mechanism for choosing alcohol over an alternative reward. Science (80-. ). 360, 1321–1326 (2018).

 

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